Heute ist Tauschbloggertag und im Rahmen von Konnas Blogjulklapp 2009 schreibt heute nicht Kamil sondern Robert vom Blog Spontis. Die dadurch vorprogrammierten Verluste an Qualität und Niveau bitte ich im Vorfeld zu entschuldigen. Ironie, Übertreibung und Rechtschreibfehler sind Stilmittel des Autors und demnach auch so gewollt.
9 Jahre habe ich gebraucht um endlich mal dabei zu sein, vor 11 Jahren habe ich davon zum ersten mal gehört. Als der Film Anatomie 2000 in die Deutschen Kinos kam, war ich begeistert und mein Interesse für die Plastination von menschlichen Körpern geweckt. 2 Jahre zuvor hatte ich vom schrulligen Gunther von Hagens gehört, der sich mit eben dieser Plastination schon einen zweifelhaften Namen gemacht hatte. Umso enttäuschter bin ich natürlich gewesen als ich gehört habe, das Film und Realität nicht viel gemeinsam haben. Als ich von der in Köln stattfindenden Ausstellung Körperwelten hörte und ein Bekannter um meine Begleitung ersuchte war mein Interesse erneut erweckt. Schließlich gibt es keine bessere Zeit sich plastinierte Körper anzusehen als die Adventszeit, logisch das Leichen und Weihnachten genau mein Ding ist, oder?
Die Ausstellung war immer schon umstritten, genauso wie die Person Gunther von Hagens selbst. Die Mischung aus Anatomie, Medizin und Jahrmarkt reizte Fachpresse und Boulevardpresse gleichermaßen. 2004 behauptete der Spiegel, von Hagens würde für seine Ausstellung die Leichen chinesischer Hinrichtungsopfer verwenden, gab aber später eine Unterlassungserklärung ab und wurde vom Landgericht Berlin mit einer einstweiligen Verfügung belegt (siehe auch Wikipedia). Obwohl von Hagen ankündigte nicht mehr in Deutschland auszustellen, begann im Januar 2009 die Ausstellungsreihe Der Zyklus des Lebens in Köln und im September 2009 auch in Zürich.
Ziemlich trostlos wirkt das Zelt in der die Ausstellung stattfindet, inmitten einer großen Freifläche und in direkter Nachbarschaft zum Kölner Polizeipräsidium gibt es nicht viel mehr. Meine Befürchtungen, in meinen schwarzen Klamotten nicht eingelassen zu werden zerstreuten sich, offenbar hatte man keine Vorurteile und glaubte ich würde ein schwarze Messe inmitten von Leichen feiern und außerdem war ich ja in Begleitung von ein paar bunten. “Bunte haften für ihre schwarzen Begleiter” war nicht nötig gewesen. Mit einigen Schautafel eröffnete sich der Rundgang durch das hübsch ausgestattete Zelt und kündigte an, es handle sich um eine Herzenssache. Dem Motor des menschlichen Körpers. Die Mischung aus plastinierten Körper und einzelnen Organen in gläsernen Schaukästen ist schon gelungen, der Effekt hat sich aber schnell abgenutzt. So hatte man sich spätestens nach der Hälfte der Ausstellung einfach satt gesehen.
Der künstlerische Aspekt dieser Ausstellung durch die Drapierung der Körper in den unmöglichsten Lebenslagen konnte sich mir leider nicht erschließen, trotz des Bewusstseins, das die Tätigkeit des plastinierens durchaus die hohe Schule eines Kunsthandwerks darstellt. Der informative Gehalt der Ausstellung war aber hoch, mit vielen Schautafeln und Texten konnte man sich ein besseres Bild vom eigenen Körper machen und die Folgen ungesunden Lebens direkt in Ausstellungsstücken bewundern. Faszinierend auch welch engem Raum sich das Wunderwerk Mensch entfaltet. Kurioserweise handelte es sich bei den meisten Leichen um männliche Personen, was man an manch anatomischen Winzigkeiten gut erkennen konnte. Hier spielte der Aufbau des Zeltes noch einen kleinen Streich, denn der hölzerne Boden zeigte sich Schwingungsfreudig und übertrug die Bewegung der Besucher direkt ins das männliche Geschlechtsorgan. Parallelen zum Glockraum im Kölner Dom lagen auf der Hand.
Erstaunlich wie wichtig die menschliche Haut für die Grenze zwischen Leiche und Mensch ist. Ohne Haut fällt es nicht schwer die Ausstellungsstücke als Exponate zu betrachten zu abstrakt ist die optische Verwandschaft zur eigenen Hülle. Auf einem Gesichtsexponat, dem die Haut inklusive aller Körperhaare und Falten gelassen wurde stellt sich dann doch sowas wie Bedrückung ein. Das kleine Gesicht auf dem drehenden Gestell gehörte dann auch für mich zu den Highlights, echt gruselig.
Grundsätzlich bin ich aber etwas enttäuscht. Irgendwie hatte man sich schnell satt gesehen und auch die vielleicht erhofften Schockeffekten blieben aus, den künstlerischen Aspekt habe ich ebenfalls vermisst, aber die liegt ja im Auge des Betrachters. Mit 17€ Eintritt für Erwachsene empfinde ich Ausstellung auch als sehr teuer. Aber wie heißt es so schön: Dabei sein ist alles. Bis zum 31. Januar 2010 haben Kölner und Neugierige die Gelegenheit mir nachzueifern, bis zum 28. Februar 2010 können sich auch die Schweizer eine ähnliche Ausstellung in Zürich ansehen.
Tags: Köln, Körperwelten, Spontis
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